Zimmer mit Aussicht

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Drei Aussteiger an der Südküste Kretas *

Zimmer mit Aussicht. Vom Leben im Süden, an Stränden und in Höhlen. Von Ursula Scheidle
In der Reihe „Abgetaucht. Geschichten vom Wasser“. Im Ö1 Online-Auftritt begleitet von Arbeiten der Fotokünstlerin Silvia Maria Grossmann.

Drei Menschen, die verschiedener nicht sein könnten, verbindet ein Traum: Sie möchten ein Leben außerhalb der gesellschaftlichen Norm führen. Ein Experiment versuchen. Sich aussetzen: der Natur, der Unbequemlichkeit, den Fragen nach der eigenen Identität.

Stephanie Strassner, Künstlerin aus Deutschland, Joel Grandel, ehemaliger Kohlenminenarbeiter aus Belgien, und Yves Valentin, Weltreisender aus Straßburg, hat es zu unterschiedlichen Zeitpunkten an denselben Ort verschlagen. An die Südküste von Kreta, an die Strände bei Matala und Lentas. Dort wohnen sie in Höhlen oder in Bambushütten. Und das seit Jahrzehnten.

Ursula Scheidle hat die drei Menschen um die 50 in ihren Behausungen besucht. Sie erzählen von starken Momenten in einem ungewöhnlichen Leben. Und davon, was von den Träumen übrigbleibt, wenn sie Wirklichkeit werden.
Die Musik zu diesem Feature stammt von den beiden österreichischen Musikern Robert Horak und Gerald Selig, die sich dazu vor Ort am Strand von Lentas zu Improvisationen inspirieren ließen.

Ton: Elmar Peinelt
Redaktion: Elisabeth Stratka

 

Armenien: Der Lebenstraum des Maxim Atayants

Die Sowjetunion befindet sich 1991 noch im Zerfallsprozess. Mitten in den politischen Wirren steuert der Krieg zwischen den Unions-Republiken Aserbaidschan und Armenien auf seinen Höhepunkt zu. Dabei befiehlt der noch amtierende Präsident Michail Gorbatschow der aserbaidschanischen Armee eine Säuberungsaktion in der armenischen Enklave Nagorni Karabach, auch als Berg-Karabach bekannt. 24 Dörfer werden geräumt, zerstört und deren Bevölkerung deportiert.

In einer dieser armenischen Siedlungen, in Karagluch, wird dabei auch die Kirche abgetragen. Zehn Jahre später beschließt der Ur-Urenkel des Erbauers genau dieser Kirche, der heute in St. Petersburg lebende, prominente Architekt Maxim Atayants, den Sakralbau mit privaten Geldern wieder zu errichten. Bereits 2012 findet die Grundsteinlegung statt. Seit 2015 ist die Kirche eingeweiht und wieder geöffnet. Allein, die Siedlung Karagluch ist nach wie vor unbewohnt. Doch Maxim Atayants hat große Pläne für den kleinen Ort in den Bergen, unweit der Hauptstadt der nicht anerkannten Republik Berg-Karabach.

Regelmäßig reist er in die Region. Er arbeitet nicht nur am Wiederaufbau des armenischen Dorfes, sondern schmiedet bereits Rücksiedlungspläne. Bald könnten in Karagul wieder Menschen leben, vielleicht sogar frühere Bewohner/innen des Dorfes. Eine politisch fragile Angelegenheit: Noch befinden sich die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken de facto im Kriegszustand.

Yerevan vor Ararat

Was hat das mit mir zu tun? (Ursendung 7. Mai 2017, 20.15 Uhr, Ö1 „Tonspuren“)

„Und was hat das mit mir zu tun?“ Der Journalist und Autor Sacha Batthyany über ein Nazi-Verbrechen, seine Familie und sich selbst. Feature von Eva Schobel

Begonnen hat alles im Jahr 2007, ein Jahr bevor Elfriede Jelineks Stück „Der Würgeengel“ über das Massaker an 200 Juden in Rechnitz uraufgeführt wurde. Der 34-jährige Schweizer Journalist Sacha Batthyany arbeitet gerade an einem Artikel über Samenspender in Holland, als ihm eine Kollegin einen Artikel aus der FAZ auf den Redaktionstisch legt: „Die Gastgeberin der Hölle“ steht da in fetten Lettern zu lesen, darunter ein Foto seiner Großtante Margit Thyssen-Batthyany.

Diese angeheiratete steinreiche Großwildjägerin und Geliebte diverser Nazi-Größen, war ihm schon als Kind herzlich unsympathisch. Aber hat sie tatsächlich getanzt und gelacht, auf diesem letzten Fest auf dem Schloss in Rechnitz kurz vor Einmarsch der Russen? Hat sie womöglich sogar selbst geschossen, wie Jelinek insinuiert? Sacha Batthyany recherchiert das Geschehene lückenlos, um festzustellen, dass es für ihn um mehr geht.

Auf der Couch eines Psychoanalytikers versucht er sich selbst und dem Psychogramm seiner Familie auf die Schliche zu kommen. Inmitten des riesigen Batthyany-Clans, der seiner Aufklärungsarbeit teils skeptisch gegenübersteht, gewinnt er seinen Vater, zu dem er ein sehr schwieriges Verhältnis hat, zum Komplizen. Der gibt ihm das Tagebuch seiner Mutter, Sachas Großmutter, das er gegen deren ausdrücklichen Willen nicht verbrannt hat.

Salzburger Literaturhaus: Die besten Hörspiele aus dem Jahr 2016

TRAIN OF SOUND
Bei ihrem Hörspiel „Train of Sound“ (51 Min) hat die Radiomacherin Ursula Scheidle selbst Regie geführt. Endlich ist die Sound-Jägerin Berna angekommen in Island, am Ende der Welt, am Ende eines rastlosen Jahres. Ein Jahr lang bestimmen Fahrplan, Großraumwagen und die Bahncard 100 ihr Leben. Und sie wird berühmt: „German woman starts living on a train“, titelt die Zeitung. Doch plötzlich sind in den Zügen Menschen aus dem Krieg. Bei Berna werden Erinnerungen an die Großmutter und deren dramatische Flucht aus Ungarn 1956 wach …