Der 90-jährige Schafbauer Bjarni schreibt seiner Geliebten Helga am Ende seines Lebens einen Brief. Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman, inszeniert von Ursula Scheidle. Freitag, 7. November 2025 Beginn 14:30 Uhr ZKM, Kubus. Zentrum für Kunst und Medien, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe
Bjarni – gesprochen von Wolfram Berger – fragt sich, „warum man, um alles in der Welt, eine andere Frau begehrt als die eigene, sein ganzes Leben lang, ohne jedoch irgendetwas zu unternehmen, um diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.“
Der Roman „Antwort auf den Brief von Helga“ des preisgekrönten isländischen Schriftstellers Bergsveinn Birgisson, verwoben mit der vorzeitlichen Landschaft Islands und den mittelalterlichen Isländersagas, ist ein Stück Weltliteratur. Denn die Liebesgeschichte zwischen dem Bauern Bjarni mit seiner Helga vom Nachbarhof ist beispielhaft und stellt sich universellen Fragen: Wer bin ich? Wer kann ich sein? Wer hätte ich mit dir sein können? Wovon reden wir, wenn wir von Liebe, von Leidenschaft und Freundschaft reden?
Der Schafbauer Bjarni ergründet schonungslos und offenherzig nichts Geringeres als das Paradoxon „Mensch-Sein“, der, wie er auch einmal frei nach Apostel Paulus meint, „das Gute, das er will, nicht tut, aber das Böse, das er hasst, tut.“
Dem Existentiellen wird in dieser Geschichte mit Poesie und trockenem Humor begegnet, beides hat die österreichische Übersetzerin und Lektorin für Isländisch, Eleonore Gudmundsson, nun in ihrer Neuübersetzung (die 2022 im Residenzverlag erschienen ist) eingefangen.
Ursula Scheidle hat den Liebesbrief für die ORF/Ö1-Hörspielredaktion bearbeitet und inszeniert.
„Ja, ich glaube, ich überlasse es dem Leser, was er da sehen will. Ich erzähle eine Geschichte. Ich erzähle sicher einen Weg, weil eine Geschichte immer ein Weg ist, weil es ein Stück Erlebnis ist. Aber es liegt mir fern, einen Weg vorzugeben (…).“
Liebes Publikum,
in „FANIS“ geht es um nichts Geringeres als um die Entstehung der Welt und ihren Dingen – und von ihrem Verschwinden.
Die Südtiroler Autorin Anita Pichler (1948-1997) schreibt in ihren Erzählungen „Die Frauen aus Fanis“ von der Gründung eines Reiches. Es ist das Reich der Fanes, das geographisch mit der Hochalpe in den Dolomiten verbunden ist und Teil der ladinischen Erzähltradition.
Anita Pichler war die erste Südtiroler Autorin, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Ich habe sie relativ kurz vor ihrem frühen Tod für das Landesstudio Tirol zu ihrem Buch „Die Frauen aus Fanis“ interviewt. Ich konnte diese Begegnung nie vergessen.
Die Schriftstellerin hat gemeinsam mit der Sagenforscherin Ulrike Kindl das Gebiet der Fanes mit Block und Bleistift erwandert. Die bekannteste schriftliche Quelle dazu ist die Sammlung der Dolomitensagen von Karl Felix Wolf. Diese hat die Wissenschaftlerin analysiert und die Schriftstellerin hat daraus den Mythos neu erzählt.
Florian Kmet und ich haben uns in vielen Gesprächen und Proben den Erzählungen angenähert und daraus das Hörstück FANIS gemacht.
Anita Pichler: „Es ist so, wie wenn man etwas, das zusammen geknüllt ist, sich plötzlich aufmacht und in all seinen Falten lesbar wird. Und dann tun sich Welten auf.“
Wer bin ich? Wer kann ich sein? Wer hätte ich mit Dir sein können? Wovon reden wir, wenn wir von Liebe, von Leidenschaft und Freundschaft reden? Der Schafbauer Bjarni ergründet in seinem Brief schonungslos und offenherzig nichts Geringeres als das Paradoxon „Mensch-Sein“, der, wie er auch einmal frei nach Apostel Paulus meint, „das Gute, das er will, nicht tut, aber das Böse, das er hasst, tut.“ Dem Existentiellen begegnet er dabei mit Poesie und trockenem Humor.
Der österreichische Schauspieler Wolfram Berger feiert heuer seinen 80en Geburtstag. Für seine künstlerische Arbeit wurde er vielfach preisgekrönt, u.a. wurde er Hörspielschauspieler des Jahres 2001 und, wenn man den Titel ein zweites Mal verleihen könnte, wäre er das für mich auch des Jahres 2025, denn Wolfram Berger erzählt nicht nur die Lebensbilanz des Schafbauern Bjarni, sondern macht dessen Seele hörbar, seine innersten Sehnsüchte und Nöte, seine tiefsten Freuden und Erkenntnisse, seine Lust, seine Scham, sein Scheitern, seinen Stolz und seine Liebe.
„Liebe Helga. Als Du schwanger wurdest und mich batest, Dir nach Reykjavík zu folgen, kam ich an eine Kreuzung meines Lebens. Der Weg, den ich bis dorthin gegangen war, teilte sich nun in zwei Wege. Ich ging sie beide. Und dennoch keinen richtig, weil ich den einen ging – aber all mein Sinnen stets auf der anderen Seite war. Bei Dir.“
So schreibt der 90jährige Schafbauer Bjarni seiner Geliebten Helga am Ende seines Lebens. In seinem Brief zieht er Bilanz und versucht herauszufinden, warum er in seinem Leben gehandelt hat, wie er gehandelt hat und fragt sich, „warum man, um alles in der Welt, eine andere Frau begehrt als die eigene, sein ganzes Leben lang, ohne jedoch irgendetwas zu unternehmen, um diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.“ Der Roman „Antwort auf den Brief von Helga“ des preisgekrönten isländischen Schriftstellers Bergsveinn Birgisson erschien 2010 und erfuhr seither zahlreiche Adaptierungen. Zuletzt feierte er 2023 die Premiere seiner Verfilmung beim Trømso International Film Festival in Norwegen. Verwoben mit der vorzeitlichen Landschaft Islands und den mittelalterlichen Isländersagas, ist der Text ein Stück Weltliteratur. Denn die Liebesgeschichte zwischen dem Bauern Bjarni mit seiner Helga vom Nachbarhof ist beispielhaft und stellt sich universellen Fragen: Wer bin ich? Wer kann ich sein? Wer hätte ich mit Dir sein können? Wovon reden wir, wenn wir von Liebe, von Leidenschaft und Freundschaft reden? Der Schafbauer Bjarni ergründet schonungslos und offenherzig nichts Geringeres als das Paradoxon „Mensch-Sein“, der, wie er auch einmal frei nach Apostel Paulus meint, „das Gute, das er will, nicht tut, aber das Böse, das er hasst, tut.“ Dem Existentiellen wird in dieser Geschichte mit Poesie und trockenem Humor begegnet, beides hat die österreichische Übersetzerin und Lektorin für Isländisch, Eleonore Gudmundsson, nun in ihrer Neuübersetzung (die 2022 im Residenzverlag erschienen ist) eingefangen. Ursula Scheidle hat sich der Übersetzung Eleonore Gudmundssons angenommen und den Abschieds- und Liebesbrief für die Ö1-Hörspielredaktion bearbeitet.
„Was passiert, wenn der Bub auch schon über siebzig ist und die Mama über neunzig? „Es hat’s niemand nicht leicht g’habt“ lautet der Untertitel von Helmut Hostnigs neuem Hörspiel „Die Mama und der Bub“, das oberflächlich betrachtet leichter daherkommt als man meinen könnte.“
… schreibt Jochen Meißner … über Helmut Hostnigs autofiktionales Stück, das mit der Methode von oral history entstanden ist.
… und weiter:
Diesmal leihen Linde Prelog und Helmut Bohatsch Mutter und Sohn in der Regie von Ursula Scheidle ihre Stimmen. Geboren „bald nach dem ersten und vor dem zweiten Krieg“, schwindet der Mama langsam die Orientierung. Sie betont „Demenz“ auf der ersten Silbe und wehrt die Korrektur durch ihren Bub mit der lapidaren Entgegnung ab: „Da hat aber noch niemand Bregenz gesagt, auch kein Ausländer nicht.“ Die Frau hat offensichtlich Humor und verwechselt dennoch oder vielleicht gerade deswegen konsequent Inkontinenz und Inkonsistenz: „Das weiß ich, weil ich Krankenschwester war“.
Weil sie der Katze nebst Büchern und den Zeitungen mehr Platz einräumt als sich selbst, findet der Arzt, der sie wegen der Erhöhung der Pflegestufe begutachten soll, kaum einen Platz an ihrem Bett. Doch die schlecht geschauspielerte Inszenierung der Gebrechlichkeit scheitert letztendlich. Sie ist halt doch zu vital für das Kostendämpfungskonzept der Kranken- und Pflegekassen. Die fast slapstickhafte Szene täuscht jedoch nicht über die zugrundeliegende Dramatik hinweg.
… Es kommt schließlich der Moment, in dem sie in einem mottenzerfressen Mantel, den man in der 20er Jahren des letzten Jahrhunderts getragen hat, auf ihrem Bett sitzt und wartet, abgeholt zu werden. Ihren Sohn erkennt sie da nicht wieder und siezt ihn. Es sind herzzerreißende Momente, die von Linde Prelog und Helmut Bohatsch mit großer Intimität und Nähe in ihrer ganzen schrecklichen Normalität gespielt werden. Florian Kmet liefert dazu den Soundtrack, der sich nicht in den Vordergrund drängt, aber hörbar die Atmosphäre verdichtet.
... Nach dem Krieg hat sie in bitterer Armut bei einer „Zwetschgenwachthochzeit“ in einem gemieteten Hochzeitskleid geheiratet. Die Zwetschgen mussten nachts bewacht werden, um sie vor dem Obstklau zu schützen. Annelieses Geschichten gehen manchmal etwas durcheinander, aber es sind Geschichten, die mit ihr verschwinden werden. Es sei denn, der Bub schreibt sie auf und überführt sie in eine poetische Form, wie es Helmut Hostnig getan hat.
11 Szenen erzählen von der berührenden Beziehung zwischen der Mama und ihrem Buben, der sie besucht und sie im immer beschwerlicher werdenden Alltag unterstützt. Die Mama monologisiert ihre Erinnerungen und spricht über das Älterwerden und seine Folgen. Ihr Bub – mittlerweile selbst im Ruhestand – hört zu, beobachtet, greift ein, wenn seine Mutter den Faden zu verlieren droht, und geht mit ihr auf Zeitreisen, die bis weit ins letzte Jahrhundert hineinreichen. Das Hörspiel Die Mama und ihr Bub schildert ein Leben zwischen Herausforderung, Schuld und Versagen, Erfolg und bestandenen Prüfungen. Für den „Bub“ ist es nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Biographie seiner Mutter, sondern gleichzeitig auch eine mit seinem eigenen Alt- und Älterwerden.
Das Stück ist gleichzeitig ein Rückblick auf ein tragisches Jahrhundert und durch die Recherchemethode Oral History ein Vermächtnis der älteren Generation, verkörpert durch eine starke Frauenfigur.
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