(c) foto mischief films: Neue Meister, altes Handwerk ARTE-TV und Mischief Films 2019

Neue Meister, altes Handwerk

Ein Film von Georg Misch

by mischief films

Eine Serie auf der Suche nach alter Handwerkertradition in den Händen von jungen innovativen MeisterInnen Gibt es einen Trend zum Handwerk? Ist das bloß Lifestyle und gerade mal eine Mode? Und braucht die Gesellschaft überhaupt handgemachte Dinge, ist das nicht Luxus für Privilegierte? Oder stehen die neuen Ideen gepaart mit alten Handwerkstechniken für Nachhaltigkeit, Qualität und Schönheit? Die Serie führt nicht nur in die Werkstätten, sie begleitet die HandwerkerInnen im Alltag, zeigt ihre Verbundenheit mit der Region, zeigt wie sie moderne Anforderungen an das Metier mit alten Techniken verbinden. Der Fokus liegt auf der Reibung zwischen Tradition und Gestaltungswillen. Es sind junge Menschen, die nicht nur fortsetzen, sondern vor allem Neues schaffen, ihre Vorstellungen verwirklichen wollen.

 

Sprecherin: Ursula Scheidle

FRANUI: Hörbilder Spezial

Franui, das Musikensemble, das sich in dem kleinen Osttiroler Dorf Innervillgraten gegründet hat, ist 25 Jahre alt. Die zur Beerdigung gespielten Trauermärsche prägten die Musiker genauso wie die Tanzlmusik zum Kirchtag. Aus diesen Quellen schöpfend komponierten Bandgründer Andreas Schett und Kontrabassist Markus Kraler gemeinsam die ersten eigenen Stücke mit Titeln wie “ … schreibt die Ortsbäuerin“.

In Rubriken wie Neue Volksmusik, Klassik oder Jazz lässt sich Franui nicht einordnen. Unter dem Motto „Nicht umblättern, weiterspielen!“ schreiben sie Musik gerne weiter. So haben sie etwa Lieder von Schubert, Brahms oder Mahler weiterkomponiert. Manchmal lassen sie die Noten stehen, wie sie sind und interpretieren sie mit ihrem Instrumentarium ganz neu.

„Das Wichtigste ist vielleicht, dass die Musik nie eindeutig sein soll. Also sie soll sich nicht eindeutig ans Herz oder eindeutig an den Verstand richten. Oder eindeutig auffordern, das ist jetzt lustig oder da soll man jetzt die Tränendrüsen walten lassen. Uns ist wichtig, dass ganz viele Gedanken und Gefühlszustände möglichst in einem Takt, also in einem Klang sein können,“ sagt Andreas Schett.
In einem Heustadl in Innervillgraten haben die Musiker 1993 begonnen. Heute sind sie auf prominenten Bühnen zu Gast – von den Salzburger Festspielen bis zur Hamburger Elbphilharmonie, vom Wiener Konzerthaus bis zur Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Ton: Robert Pawlecka
Redaktion: Elisabeth Stratka

Hörbilder Spezial

Gestaltung

Zimmer mit Aussicht

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Drei Aussteiger an der Südküste Kretas *

Zimmer mit Aussicht. Vom Leben im Süden, an Stränden und in Höhlen. Von Ursula Scheidle
In der Reihe „Abgetaucht. Geschichten vom Wasser“. Im Ö1 Online-Auftritt begleitet von Arbeiten der Fotokünstlerin Silvia Maria Grossmann.

Drei Menschen, die verschiedener nicht sein könnten, verbindet ein Traum: Sie möchten ein Leben außerhalb der gesellschaftlichen Norm führen. Ein Experiment versuchen. Sich aussetzen: der Natur, der Unbequemlichkeit, den Fragen nach der eigenen Identität.

Stephanie Strassner, Künstlerin aus Deutschland, Joel Grandel, ehemaliger Kohlenminenarbeiter aus Belgien, und Yves Valentin, Weltreisender aus Straßburg, hat es zu unterschiedlichen Zeitpunkten an denselben Ort verschlagen. An die Südküste von Kreta, an die Strände bei Matala und Lentas. Dort wohnen sie in Höhlen oder in Bambushütten. Und das seit Jahrzehnten.

Ursula Scheidle hat die drei Menschen um die 50 in ihren Behausungen besucht. Sie erzählen von starken Momenten in einem ungewöhnlichen Leben. Und davon, was von den Träumen übrigbleibt, wenn sie Wirklichkeit werden.
Die Musik zu diesem Feature stammt von den beiden österreichischen Musikern Robert Horak und Gerald Selig, die sich dazu vor Ort am Strand von Lentas zu Improvisationen inspirieren ließen.

Ton: Elmar Peinelt
Redaktion: Elisabeth Stratka

 

Armenien: Der Lebenstraum des Maxim Atayants

Die Sowjetunion befindet sich 1991 noch im Zerfallsprozess. Mitten in den politischen Wirren steuert der Krieg zwischen den Unions-Republiken Aserbaidschan und Armenien auf seinen Höhepunkt zu. Dabei befiehlt der noch amtierende Präsident Michail Gorbatschow der aserbaidschanischen Armee eine Säuberungsaktion in der armenischen Enklave Nagorni Karabach, auch als Berg-Karabach bekannt. 24 Dörfer werden geräumt, zerstört und deren Bevölkerung deportiert.

In einer dieser armenischen Siedlungen, in Karagluch, wird dabei auch die Kirche abgetragen. Zehn Jahre später beschließt der Ur-Urenkel des Erbauers genau dieser Kirche, der heute in St. Petersburg lebende, prominente Architekt Maxim Atayants, den Sakralbau mit privaten Geldern wieder zu errichten. Bereits 2012 findet die Grundsteinlegung statt. Seit 2015 ist die Kirche eingeweiht und wieder geöffnet. Allein, die Siedlung Karagluch ist nach wie vor unbewohnt. Doch Maxim Atayants hat große Pläne für den kleinen Ort in den Bergen, unweit der Hauptstadt der nicht anerkannten Republik Berg-Karabach.

Regelmäßig reist er in die Region. Er arbeitet nicht nur am Wiederaufbau des armenischen Dorfes, sondern schmiedet bereits Rücksiedlungspläne. Bald könnten in Karagul wieder Menschen leben, vielleicht sogar frühere Bewohner/innen des Dorfes. Eine politisch fragile Angelegenheit: Noch befinden sich die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken de facto im Kriegszustand.

Yerevan vor Ararat