Der Weibsteufel – Ö1 Hörspiel (29.05. 2019; 14 Uhr 05) n. dem Drama v. Karl Schönherr (ORF/SWR)

Der Weibsteufel

„Ö1 Hörspiel“ zu Karl Schönherrs gleichnamigem Drama.

„Ich bin keine Sterberin. Ich leb gern; ja, jetzt noch lieber als früher. Wenn schon gstorbn sein muss, warum denn grad ich und du, zwei gsunde Leut?“ Nüchtern zieht das Weib vor dem Grenzjäger in Karl Schönherrs Stück „Der Weibsteufel“ seinen Schluss aus den Erfahrungen, die es durch den wechselhaften Kampf mit sich selbst und den beiden Männern gemacht hat.

Einblick in die körperlichen Nöte

„Der Mann. Sein Weib. Ein junger Grenzjäger. Schauplatz: Eine Stube“ – so schlicht leitet Karl Schönherr seine Dreiecksgeschichte ein, die 1915 am Wiener Burgtheater zur Uraufführung gelangte und eines seiner erfolgreichsten Stücke werden sollte.

Es ist ein Drama mit einfachem Plot, das zwischen den Worten seine Vielschichtigkeit offenlegt und Satz für Satz die mörderische Dynamik zwischen den drei typisierten, namenlosen Figuren vorantreibt, deren Bedürfnisse aber nicht konkreter und menschlicher sein könnten. Karl Schönherr war nicht nur Schriftsteller, er war auch Arzt. Er hatte tiefen Einblick in die körperlichen Nöte der Menschen und wusste genau um die oft schwerwiegenden sozialen Konsequenzen mangelnder Gesundheit.

Taktisch eingesetzte Erotik

Aus diesen Nöten bzw. Begierden entwickelte er den Unterbau zu seinem „Weibsteufel“. Er verknüpfte zeitlose Motive wie Status, Besitz und Anerkennung mit dem unerfüllten Kinderwunsch der Frau, der nicht erfüllenden Sexualität des mittellosen Ehepaares und einer zunächst nur taktisch eingesetzten Erotik des Jägers, die, sobald echte Gefühle ins verräterische Spiel kommen, nicht mehr so einfach kontrolliert werden kann.

Der Mann treibt sein Weib an, den falschen Avancen des Jägers nachzugeben, damit er ungestört seiner Hehlerei nachgehen kann. Er will das Haus am Marktplatz kaufen, um so den gewünschten gesellschaftlichen Aufstieg zu erlangen und zumindest auf diese Weise vor seinem Weib als „ganzer Mann“ dazustehen.

Zum Warenwert degradiert

Der Jäger lässt sich wiederum vom Kommandanten auf das Weib „ansetzen“, um den kriminellen Machenschaften des Paares auf die Schliche zu kommen und eine schnelle Beförderung zu erreichen. Das Weib weist zunächst das Ansinnen des Mannes zurück, spielt aber schließlich mit, bis es, mehrfach verraten vom „System Weibsteufel“, zur Einzelkämpferin wird.

Im Konkurrenzkampf der beiden Männer zum Warenwert degradiert, erkennt es in dieser Ware ein Werkzeug, lernt es einzusetzen und schlägt die Herren mit ihren eigenen Mitteln. Intimität, Grenzen die überschritten werden, und vor allem das, was nicht gesagt wird: Mit diesen Innenräumen beschäftigt sich dieses Hörspiel, das die bäuerliche Stube in seiner musikalischen Umsetzung weder zeitlich noch regional verortet.

(Text: ursula scheidle)

SWR: Download zur Verfügung bis Mai 2020

https://weibsteufel download

(c) foto mischief films: Neue Meister, altes Handwerk ARTE-TV und Mischief Films 2019

Neue Meister, altes Handwerk

Ein Film von Georg Misch

by mischief films

Eine Serie auf der Suche nach alter Handwerkertradition in den Händen von jungen innovativen MeisterInnen Gibt es einen Trend zum Handwerk? Ist das bloß Lifestyle und gerade mal eine Mode? Und braucht die Gesellschaft überhaupt handgemachte Dinge, ist das nicht Luxus für Privilegierte? Oder stehen die neuen Ideen gepaart mit alten Handwerkstechniken für Nachhaltigkeit, Qualität und Schönheit? Die Serie führt nicht nur in die Werkstätten, sie begleitet die HandwerkerInnen im Alltag, zeigt ihre Verbundenheit mit der Region, zeigt wie sie moderne Anforderungen an das Metier mit alten Techniken verbinden. Der Fokus liegt auf der Reibung zwischen Tradition und Gestaltungswillen. Es sind junge Menschen, die nicht nur fortsetzen, sondern vor allem Neues schaffen, ihre Vorstellungen verwirklichen wollen.

 

Sprecherin: Ursula Scheidle

FRANUI: Hörbilder Spezial

Franui, das Musikensemble, das sich in dem kleinen Osttiroler Dorf Innervillgraten gegründet hat, ist 25 Jahre alt. Die zur Beerdigung gespielten Trauermärsche prägten die Musiker genauso wie die Tanzlmusik zum Kirchtag. Aus diesen Quellen schöpfend komponierten Bandgründer Andreas Schett und Kontrabassist Markus Kraler gemeinsam die ersten eigenen Stücke mit Titeln wie “ … schreibt die Ortsbäuerin“.

In Rubriken wie Neue Volksmusik, Klassik oder Jazz lässt sich Franui nicht einordnen. Unter dem Motto „Nicht umblättern, weiterspielen!“ schreiben sie Musik gerne weiter. So haben sie etwa Lieder von Schubert, Brahms oder Mahler weiterkomponiert. Manchmal lassen sie die Noten stehen, wie sie sind und interpretieren sie mit ihrem Instrumentarium ganz neu.

„Das Wichtigste ist vielleicht, dass die Musik nie eindeutig sein soll. Also sie soll sich nicht eindeutig ans Herz oder eindeutig an den Verstand richten. Oder eindeutig auffordern, das ist jetzt lustig oder da soll man jetzt die Tränendrüsen walten lassen. Uns ist wichtig, dass ganz viele Gedanken und Gefühlszustände möglichst in einem Takt, also in einem Klang sein können,“ sagt Andreas Schett.
In einem Heustadl in Innervillgraten haben die Musiker 1993 begonnen. Heute sind sie auf prominenten Bühnen zu Gast – von den Salzburger Festspielen bis zur Hamburger Elbphilharmonie, vom Wiener Konzerthaus bis zur Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Ton: Robert Pawlecka
Redaktion: Elisabeth Stratka

Hörbilder Spezial

Gestaltung

Zimmer mit Aussicht

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Drei Aussteiger an der Südküste Kretas *

Zimmer mit Aussicht. Vom Leben im Süden, an Stränden und in Höhlen. Von Ursula Scheidle
In der Reihe „Abgetaucht. Geschichten vom Wasser“. Im Ö1 Online-Auftritt begleitet von Arbeiten der Fotokünstlerin Silvia Maria Grossmann.

Drei Menschen, die verschiedener nicht sein könnten, verbindet ein Traum: Sie möchten ein Leben außerhalb der gesellschaftlichen Norm führen. Ein Experiment versuchen. Sich aussetzen: der Natur, der Unbequemlichkeit, den Fragen nach der eigenen Identität.

Stephanie Strassner, Künstlerin aus Deutschland, Joel Grandel, ehemaliger Kohlenminenarbeiter aus Belgien, und Yves Valentin, Weltreisender aus Straßburg, hat es zu unterschiedlichen Zeitpunkten an denselben Ort verschlagen. An die Südküste von Kreta, an die Strände bei Matala und Lentas. Dort wohnen sie in Höhlen oder in Bambushütten. Und das seit Jahrzehnten.

Ursula Scheidle hat die drei Menschen um die 50 in ihren Behausungen besucht. Sie erzählen von starken Momenten in einem ungewöhnlichen Leben. Und davon, was von den Träumen übrigbleibt, wenn sie Wirklichkeit werden.
Die Musik zu diesem Feature stammt von den beiden österreichischen Musikern Robert Horak und Gerald Selig, die sich dazu vor Ort am Strand von Lentas zu Improvisationen inspirieren ließen.

Ton: Elmar Peinelt
Redaktion: Elisabeth Stratka