Nov. 19, 2025
Antwort auf den Brief von Helga
Der 90-jährige Schafbauer Bjarni schreibt seiner Geliebten Helga am Ende seines Lebens einen Brief. Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman, inszeniert von Ursula Scheidle. Freitag, 7. November 2025 Beginn 14:30 Uhr ZKM, Kubus. Zentrum für Kunst und Medien, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe
Bjarni – gesprochen von Wolfram Berger – fragt sich, „warum man, um alles in der Welt, eine andere Frau begehrt als die eigene, sein ganzes Leben lang, ohne jedoch irgendetwas zu unternehmen, um diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.“
Der Roman „Antwort auf den Brief von Helga“ des preisgekrönten isländischen Schriftstellers Bergsveinn Birgisson, verwoben mit der vorzeitlichen Landschaft Islands und den mittelalterlichen Isländersagas, ist ein Stück Weltliteratur. Denn die Liebesgeschichte zwischen dem Bauern Bjarni mit seiner Helga vom Nachbarhof ist beispielhaft und stellt sich universellen Fragen: Wer bin ich? Wer kann ich sein? Wer hätte ich mit dir sein können? Wovon reden wir, wenn wir von Liebe, von Leidenschaft und Freundschaft reden?
Der Schafbauer Bjarni ergründet schonungslos und offenherzig nichts Geringeres als das Paradoxon „Mensch-Sein“, der, wie er auch einmal frei nach Apostel Paulus meint, „das Gute, das er will, nicht tut, aber das Böse, das er hasst, tut.“
Dem Existentiellen wird in dieser Geschichte mit Poesie und trockenem Humor begegnet, beides hat die österreichische Übersetzerin und Lektorin für Isländisch, Eleonore Gudmundsson, nun in ihrer Neuübersetzung (die 2022 im Residenzverlag erschienen ist) eingefangen.
Ursula Scheidle hat den Liebesbrief für die ORF/Ö1-Hörspielredaktion bearbeitet und inszeniert.
Sep. 30, 2025
(FOTO: https://www.arctic-canvas.com)
Wer bin ich? Wer kann ich sein? Wer hätte ich mit Dir sein können? Wovon reden wir, wenn wir von Liebe, von Leidenschaft und Freundschaft reden? Der Schafbauer Bjarni ergründet in seinem Brief schonungslos und offenherzig nichts Geringeres als das Paradoxon „Mensch-Sein“, der, wie er auch einmal frei nach Apostel Paulus meint, „das Gute, das er will, nicht tut, aber das Böse, das er hasst, tut.“ Dem Existentiellen begegnet er dabei mit Poesie und trockenem Humor.
Der österreichische Schauspieler Wolfram Berger feiert heuer seinen 80en Geburtstag. Für seine künstlerische Arbeit wurde er vielfach preisgekrönt, u.a. wurde er Hörspielschauspieler des Jahres 2001 und, wenn man den Titel ein zweites Mal verleihen könnte, wäre er das für mich auch des Jahres 2025, denn Wolfram Berger erzählt nicht nur die Lebensbilanz des Schafbauern Bjarni, sondern macht dessen Seele hörbar, seine innersten Sehnsüchte und Nöte, seine tiefsten Freuden und Erkenntnisse, seine Lust, seine Scham, sein Scheitern, seinen Stolz und seine Liebe.

Sep. 18, 2024
ORF Ö1, Sa, 27.07.2024, 14.00 bis 15.00 Uhr
„Was passiert, wenn der Bub auch schon über siebzig ist und die Mama über neunzig? „Es hat’s niemand nicht leicht g’habt“ lautet der Untertitel von Helmut Hostnigs neuem Hörspiel „Die Mama und der Bub“, das oberflächlich betrachtet leichter daherkommt als man meinen könnte.“
… schreibt Jochen Meißner … über Helmut Hostnigs autofiktionales Stück, das mit der Methode von oral history entstanden ist.
… und weiter:
Diesmal leihen Linde Prelog und Helmut Bohatsch Mutter und Sohn in der Regie von Ursula Scheidle ihre Stimmen. Geboren „bald nach dem ersten und vor dem zweiten Krieg“, schwindet der Mama langsam die Orientierung. Sie betont „Demenz“ auf der ersten Silbe und wehrt die Korrektur durch ihren Bub mit der lapidaren Entgegnung ab: „Da hat aber noch niemand Bregenz gesagt, auch kein Ausländer nicht.“ Die Frau hat offensichtlich Humor und verwechselt dennoch oder vielleicht gerade deswegen konsequent Inkontinenz und Inkonsistenz: „Das weiß ich, weil ich Krankenschwester war“.
Weil sie der Katze nebst Büchern und den Zeitungen mehr Platz einräumt als sich selbst, findet der Arzt, der sie wegen der Erhöhung der Pflegestufe begutachten soll, kaum einen Platz an ihrem Bett. Doch die schlecht geschauspielerte Inszenierung der Gebrechlichkeit scheitert letztendlich. Sie ist halt doch zu vital für das Kostendämpfungskonzept der Kranken- und Pflegekassen. Die fast slapstickhafte Szene täuscht jedoch nicht über die zugrundeliegende Dramatik hinweg.
… Es kommt schließlich der Moment, in dem sie in einem mottenzerfressen Mantel, den man in der 20er Jahren des letzten Jahrhunderts getragen hat, auf ihrem Bett sitzt und wartet, abgeholt zu werden. Ihren Sohn erkennt sie da nicht wieder und siezt ihn. Es sind herzzerreißende Momente, die von Linde Prelog und Helmut Bohatsch mit großer Intimität und Nähe in ihrer ganzen schrecklichen Normalität gespielt werden. Florian Kmet liefert dazu den Soundtrack, der sich nicht in den Vordergrund drängt, aber hörbar die Atmosphäre verdichtet.
... Nach dem Krieg hat sie in bitterer Armut bei einer „Zwetschgenwachthochzeit“ in einem gemieteten Hochzeitskleid geheiratet. Die Zwetschgen mussten nachts bewacht werden, um sie vor dem Obstklau zu schützen. Annelieses Geschichten gehen manchmal etwas durcheinander, aber es sind Geschichten, die mit ihr verschwinden werden. Es sei denn, der Bub schreibt sie auf und überführt sie in eine poetische Form, wie es Helmut Hostnig getan hat.
Jochen Meißner – KNA Mediendienst, 01.08.2024
siehe auch unter:
Das Verschwinden der Zwetschgenwachthochzeit
Mai 26, 2024
11 Szenen erzählen von der berührenden Beziehung zwischen der Mama und ihrem Buben, der sie besucht und sie im immer beschwerlicher werdenden Alltag unterstützt. Die Mama monologisiert ihre Erinnerungen und spricht über das Älterwerden und seine Folgen. Ihr Bub – mittlerweile selbst im Ruhestand – hört zu, beobachtet, greift ein, wenn seine Mutter den Faden zu verlieren droht, und geht mit ihr auf Zeitreisen, die bis weit ins letzte Jahrhundert hineinreichen. Das Hörspiel Die Mama und ihr Bub schildert ein Leben zwischen Herausforderung, Schuld und Versagen, Erfolg und bestandenen Prüfungen. Für den „Bub“ ist es nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Biographie seiner Mutter, sondern gleichzeitig auch eine mit seinem eigenen Alt- und Älterwerden.
Das Stück ist gleichzeitig ein Rückblick auf ein tragisches Jahrhundert und durch die Recherchemethode Oral History ein Vermächtnis der älteren Generation, verkörpert durch eine starke Frauenfigur.
Feb. 28, 2024
Hans sitzt im Wartezimmer seiner Ärztin und hat Angst. Er wartet auf seine Diagnose. Um sich abzulenken, erfindet er Geschichten. Er denkt sich Biografien zu den anderen wartenden Patienten und Patientinnen aus. Es ist ein Spiel, das er immer mit seiner Tochter Lily gespielt hat. Also ruft er sie an, um es mit ihr wieder zu spielen. – Oder ist es umgekehrt? Ist es Lily, die sich die Geschichten mit ihrem Vater ausdenkt? „Verkehrte Welt“ ist der Titel eines Lieds, das der Vater mit seiner Tochter gemeinsam singt und den unsicheren Boden beschreibt, auf dem sich die Figuren in Daniel Wissens neuem Hörspiel bewegen. Die erfundenen Lebensentwürfe verbinden Motive wie Einsamkeit, Verlust, ein Leben ohne einen Ort, an dem man sich zuhause fühlt. Lily begleitet ihren Vater durch seine Angst vor der Diagnose. Dabei könnte sie räumlich von ihm nicht weiter weg sein. Sie lebt in Japan. Lily versucht herauszufinden, wie es ihrem Vater geht, zieht Rückschlüsse der Projektionen ihres Vaters auf sein und ihr eigenes Leben und ihre Beziehung zueinander, eine Beziehung, die selbst viele Fragen aufwirft. In lakonisch-fein ironischem Ton wandelt Daniel Wisser das „Nach-Hause-Kommen“ in einen umheimlichen Vorgang auf brüchigem Boden. Das Wartezimmer wird zur Metapher einer verkehrten Welt, einer Welt, die ihren Bewohnern und Bewohnerinnen unvertraut und fremd ist.
Mit Karl Markovics, Eva Mayer, Helmut Bohatsch, Martina Spitzer, Ratka Krstulovic, Bastian Wilplinger, Jaschka Lämmert, Klaus Höring, Asli Kislal, Chris Lohner und Naima von Bargen, Musik: Zahra Mani, Ton: Anna Kuncio, Fridolin Stolz und Manuel Radinger, Regie: Ursula Scheidle (ORF 2023)